22.8.2013, Lectures

RSS oder: die Trennung von Inhalt und Design

Love my craft

Ich bin Grafikerin und ich gestalte Webseiten. Ich unterrichte einen Kurs, in dem es darum geht, wie man seinen eigenen Blog erstellt. Und doch lese ich neue Artikel meiner Lieblingsblogs und -webseiten am liebsten fernab von deren Gestaltung über RSS-Feeds.

RSS hatte in der letzten Zeit unüblich viel Aufmerksamkeit, weil Google entschieden hat, seinen Online-Dienst Google Reader aus ihrem Angebot zu streichen. Dabei teilen sich die Menschen immer noch in zwei große Hälften: jene, denen RSS täglicher Begleiter ist (für mich: Feierabend-Magazine-Lesen am Sofa, Zeit vertreiben im Zug oder Gute-Nacht-Lektüre), und so vielen anderen, die nicht einmal wissen, worum es hier geht.

Vielleicht ist die Zukunft längst anderswo – sowohl Browser, als auch Mailprogramme haben aufgehört, RSS-Feeds darzustellen. Ich finde nach wie vor, dass RSS-Feeds etwas Großartiges erlauben: die Trennung von Inhalt und Gestaltung. Ganz ehrlich: was wären wir ohne die Inhalte? Ich erinnere mich mit Schrecken an die Flash-Webseiten mit überbordender Gestaltung, aber keinerlei Verständnis für Inhalte und deren Zugänglichkeit. Ich möchte nicht über das Wesen und die Wichtigkeit (die gibt es selbstverständlich) von Design sprechen – ich denke aber, dass zwei Dinge immer wichtiger werden:

1.
Gute, gut geschriebene Texte (ob persönlich oder journalistisch relevant: who cares!) und schöne, anziehende Fotos (nicht das Equipment zählt, sondern was zu sehen ist).

2.
Services oder Software die ermöglichen, daraus eine Übersicht oder mein eigenes Magazin, in meiner favorisierten Darstellung zu generieren.

Außerdem verpasse ich keine Updates, unabhängig davon wie häufig oder selten eine Seite aktualisiert wird – kann aber selbst wählen, wann ich sie lesen möchte.

RSS kann das das alles bereits. Es löst die Inhalte aus so vielen, teils gut gut gemachten, teils aber auch hoffnungslos überfrachteten Blogs heraus. Ich kann Webseiten oder Teile davon abonnieren. Und ich kann über verschiedene Reader die Darstellung der Inhalte kontrollieren.

Das Ende von Google Reader hat bei vielen eine mittlere Krise ausgelöst: wohin mit den Abos, den favorisierten Artikeln? Das hat auch mich locker ein Wochenende gekostet.

Ich verwende seit einiger Zeit Reeder, der sowohl fürs iPhone, als auch für den Laptop verfügbar war. Der gemeinsame Nenner: Google Reader, über den die Abos und die Synchronisierung abgewickelt wurde. Während viele zu Bloglovin’ gewechselt sind, habe ich nach einem Service gesucht, der vom Reeder weiter unterstützt wird. Feedbin wäre möglich gewesen, hat aber nicht gut funktioniert und war dabei kostenpflichtig, sodass am Ende Feedly – die auch einen angenehmen eigenen Reader (webbasiert und Apps für Mobile) anbieten – die beste Wahl war.

Vom Reeder gibt es aktuell nur ein Update der iPhone-Version, an der Mac- und iPad-Version wird gearbeitet. Ich bin dazu übergegangen, fast nur mehr am Handy zu lesen. Erst wenn die neuen Reeder-Versionen für die anderen Geräte da sind, kann ich sie wieder von Herzen empfehlen (…warten auf Neues via Twitter).

Benutzt ihr RSS zum Abonnieren von Blogs? Welche Services haben sich bei euch bewährt?

PS: Ihr könnt auf elvirastein.com sowohl alle Updates, als auch einzelne Kategorien (wie zum Beispiel das Mistress Journal oder Love my craft abonnieren.